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Eine internationale Roadmap unter der Leitung des LIH entwirft eine Zukunft, in der künstliche Intelligenz und intelligentere Therapien die tägliche Belastung durch Diabetes verringern und Betroffenen mehr „Zeit für Glück“ schenken.

Ein neu veröffentlichter richtungsweisender Fahrplan soll künftig als globaler „Nordstern“ für Klinikerinnen und Kliniker sowie Forschende dienen und einen grundlegenden Paradigmenwechsel für die kommenden 25 Jahre aufzeigen. Veröffentlicht von der Deep Digital Phenotyping Research Unit, beschreibt diese wegweisende Roadmap, wie bis zum Jahr 2050 eine „KI-Mensch-Symbiose“ das belastende tägliche Diabetesmanagement übernehmen könnte. Indem der Maßstab für den Erfolg der Gesundheitsversorgung von rein klinischen Kennzahlen auf die tatsächliche „Zeit für Glück“ eines Menschen verlagert wird, bietet dieses Konzept Gesundheitssystemen weltweit einen konkreten und unmittelbar umsetzbaren Handlungsrahmen.
Mit Diabetes zu leben bedeutet heute, die Krankheit rund um die Uhr zu managen. Moderne Technologien wie kontinuierliche Glukosemesssysteme und Insulinpumpen ermöglichen zwar eine präzise Überwachung, haben jedoch paradoxerweise eine neue Form der „Technologieermüdung“ ausgelöst. Fast ein Viertel der Menschen mit Diabetes leidet inzwischen unter schwerer emotionaler Erschöpfung. Gleichzeitig schränken strukturelle Gegebenheiten häufig die Zahl der Arzttermine ein, sodass Ärztinnen, Ärzte und Betroffene wertvolle Zeit gemeinsam vor Bildschirmen verbringen, um Daten auszuwerten, anstatt sich auf das persönliche Wohlbefinden zu konzentrieren.
Was bedeutet „Zeit für Glück“ und wie wird sie die Diabetesversorgung neu definieren?
Um die Situation sowohl für Menschen mit Diabetes als auch für medizinisches Fachpersonal zu verbessern, hat ein internationales Team führender Expertinnen und Experten unter der Leitung von Dr Guy Fagherazzi, Direktor des Department of Precision Health am Luxembourg Institute of Health, eine wegweisende Roadmap für die nächsten 25 Jahre veröffentlicht. Dr Fagherazzi betont: „Dieser Plan wurde in gleichberechtigter Partnerschaft mit internationalen Patientenvertretungen und Diabetesorganisationen entwickelt und folgt dem Leitsatz: ‚Nothing about us without us.‘“
Der in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlichte Perspektivartikel fordert einen grundlegenden Wandel: Der Erfolg der Gesundheitsversorgung sollte nicht länger ausschließlich anhand strenger klinischer Kennzahlen gemessen werden, sondern anhand der „Zeit für Glück“ der Patientinnen und Patienten. Dieses neue Konzept umfasst drei zentrale Elemente: möglichst viel Zeit, in der die Krankheit den Alltag nicht beeinträchtigt, echtes emotionales Wohlbefinden sowie eine gerechte und würdevolle medizinische Versorgung.
Wie werden KI und intelligente Technologien das Diabetesmanagement bis 2050 verändern?
Anstelle einer vollständig automatisierten und unpersönlichen Zukunft beschreiben die Autorinnen und Autoren eine „KI-Mensch-Symbiose“, die auf den Prinzipien der Präzisionsmedizin basiert. In diesem Modell analysieren KI-Systeme kontinuierlich die individuelle Situation eines Menschen in Echtzeit und passen Therapien automatisch und fortlaufend an dessen biologische Bedürfnisse und Lebensumstände an.
Fortschrittliche Algorithmen, unauffällige tragbare Sensoren und sogenannte „digitale Zwillinge“ (virtuelle Abbilder, die vorhersagen können, wie der Körper auf Ernährung oder körperliche Aktivität reagiert) übernehmen im Hintergrund die routinemäßige Datenauswertung und die Anpassung der Insulindosierung. Darüber hinaus verspricht dieses Instrumentarium bahnbrechende Innovationen wie intelligente Insuline, Therapien zur Verzögerung oder sogar vollständigen Verhinderung des Ausbruchs von Typ-1-Diabetes sowie Behandlungspläne, bei denen tägliche Injektionen durch monatliche oder sogar jährliche Anwendungen ersetzt werden könnten. Indem diese enorme administrative und mentale Belastung entfällt, kann die gewonnene Zeit in der medizinischen Versorgung wieder für den persönlichen Austausch genutzt werden. So können sich Behandlungsteams von Bildschirmen lösen und ihre Aufmerksamkeit ganz auf Empathie, psychische Unterstützung und gemeinsame Entscheidungsfindung richten.
„Unser oberstes Ziel ist es, die Zeit zu maximieren, in der Menschen mit Diabetes glücklich und gesund leben können – möglichst frei von den Belastungen ihrer Erkrankung und innerhalb eines leistungsfähigen und zugleich humanistischen Gesundheitssystems“,
erklärt Studienleiter Dr Guy Fagherazzi.
Wie können KI-gestützte Diabetesversorgung und Innovationen allen zugänglich gemacht werden?
Die Roadmap versteht sich zugleich als deutlicher Appell an politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass diese Innovationen gemeinsam mit Patientinnen und Patienten entwickelt und für alle zugänglich gemacht werden müssen. Ohne gezielte Maßnahmen zur Überwindung der weltweiten digitalen Kluft und zur Senkung der Kosten könnten die Fortschritte lediglich einer privilegierten Minderheit zugutekommen. Durch klare Meilensteine für eine ethische KI-Governance, einen universellen Zugang sowie Datenschutz von Anfang an zeigt das Konzept, dass diese Zukunft keine ferne Vision bleiben muss. Stattdessen kann eine Diabetesversorgung entstehen, die sich an das Leben der Menschen anpasst – und nicht umgekehrt.