News
Neue DII-Publikation fördert Algorithmen zur Verbesserung der Tierallergiediagnostik und zur Steuerung personalisierter Therapien.

Ein neuer Algorithmus zur molekularen Allergologie für die personalisierte Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Allergien gegen behaarte Tiere wurde im Abschnitt News and Views der Fachzeitschrift Allergy veröffentlicht, der höchstrangigen Zeitschrift im Bereich der Allergieforschung.
Unter der Leitung von Dr. Christiane Hilger, Co-Leiterin der Molecular & Translational Allergology Group im Department of Infection & Immunity (DII), stellt ein internationales Expertenteam einen neuen klinischen und diagnostischen Algorithmus für Tierallergien vor. Die Autorinnen und Autoren zeigen, wie die molekulare Diagnostik echte Sensibilisierungen sowie Polysensibilisierungsprofile gegenüber behaarten Tieren identifizieren kann und so eine fundierte Beratung zur Allergieeinstellung ermöglicht.
Tierallergien sind weit verbreitet und betreffen etwa 10–14 % der Erwachsenen in Europa und den Vereinigten Staaten. Die Symptome reichen von milder Rhinokonjunktivitis bis hin zu schwerem Asthma. Eine präzise Diagnosestellung ist häufig schwierig, da eine Sensibilisierung nicht immer mit klinischen Symptomen korreliert. Herkömmliche Tests mit Hautschuppenextrakten sind aufgrund variabler Allergenbestandteile und artspeziesübergreifender Kreuzreaktivität limitiert. Die jüngste Verfügbarkeit einzelner Allergenmoleküle hat jedoch die Diagnostik und Versorgung der Patientinnen und Patienten erheblich verbessert.
Der Artikel erläutert, wie die Messung spezifischer IgE-Antikörper gegen einzelne Allergenmoleküle es ermöglicht, echte Sensibilisierungen von kreuzreaktiven Antworten zu unterscheiden. So wird beispielsweise Fel d 1 als hochspezifischer Marker für Katzenallergien bestätigt, während Patientinnen und Patienten mit Hundeallergie häufig komplexe Sensibilisierungsmuster gegenüber mehreren Markern aufweisen, wobei Can f 5, Can f 1 und Can f 4 am häufigsten sind. Die Kombination mehrerer Hundeallergene erlaubt eine bessere Vorhersage des Schweregrades als Hundehautschuppenextrakt allein. Marker wurden auch für Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen identifiziert; für andere kleine behaarte Tiere wie Maus, Ratte, Frettchen und Chinchilla fehlen sie jedoch bislang.
Der im Artikel vorgeschlagene Ansatz beginnt mit extraktbasierten Tests und geht – sofern angezeigt – zu einer gezielten molekularen Analyse über, um eine echte Sensibilisierung gegenüber einem bestimmten Tier zu bestätigen und mögliche Kreuzreaktivitäten zu bewerten.
Die molekulare Allergologie ermöglicht es uns, über ein standardisiertes ‚One-size-fits-all‘-Diagnosemodell hinauszugehen. Durch die Identifizierung spezifischer Markerallergene können wir echte Allergien von Kreuzreaktionen unterscheiden und so präzisere, individualisierte Therapieentscheidungen treffen,
sagte Dr. Christiane Hilger, Erstautorin und Co-Leiterin der Molecular & Translational Allergology Group am LIH.