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Überprüfung von Modellen zeigt weit verbreitete methodische Verzerrungen, die ihre Anwendung in der klinischen Praxis verhindern

Eine umfassende Überprüfung von 250 Vorhersagemodellen für das Gesamtüberleben und die Mortalität bei Erwachsenen im Alter von 65 Jahren und älter mit Krebs hat ergeben, dass alle Modelle erhebliche methodische Mängel aufweisen, die ihre Anwendung in der klinischen Praxis verhindern. Durchgeführt von der Ageing, Cancer, and Disparities Research Unit (ACADI) Gruppe sowie Mitgliedern der International Society of Geriatric Oncology (SIOG), hebt die Studie eine kritische Lücke zwischen aktuellen Modellierungspraktiken und klinischer Anwendbarkeit hervor. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit robusterer Ansätze zur Verbesserung der Risikovorhersage bei alternden Krebspopulationen.
Eine neue Studie, veröffentlicht in The Lancet durch die ACADI-Gruppe des Department of Precision Health am Luxembourg Institute of Health (LIH), hat erhebliche Einschränkungen in Modellen zur Vorhersage von Überleben und Mortalität bei älteren Krebspatienten aufgezeigt. Die Postdoktorandin Dr Pauline Duquenne und die Leiterin der ACADI-Gruppe Dr Sophie Pilleron führten ein gemeinsames Projekt mit 27 Klinikern und Forschern, die systematisch 250 veröffentlichte Modelle überprüften, die zur Vorhersage von Überlebens- und Mortalitätsergebnissen bei Patienten im Alter von 65 Jahren und älter mit Krebs entwickelt wurden.
Die Analyse ergab, dass mehr als die Hälfte der Modelle keine kritischen Variablen wie Komorbidität, Ernährungszustand oder kognitive Funktion berücksichtigten. Diese Faktoren sind weithin als wesentlich für die Bewertung der Krankheitsprognose bei älteren Populationen anerkannt.
Noch wichtiger ist, dass alle in die Überprüfung einbezogenen Modelle ein hohes Risiko für Verzerrungen aufwiesen. Zu den wichtigsten methodischen Problemen gehörten der unangemessene Umgang mit kontinuierlichen Prädiktoren, eine unzureichende Auswahl von Prädiktoren sowie unzureichende Validierungsverfahren. Diese Mängel verhindern die Anwendbarkeit der Modelle in der klinischen Praxis.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass keines der überprüften Vorhersagemodelle für den Einsatz bei älteren Krebspatienten geeignet ist. Es besteht ein klarer Bedarf, bei der Entwicklung dieser Instrumente die etablierten methodischen Standards deutlich strenger einzuhalten,
sagte Sophie Pilleron, Leiterin der ACADI-Gruppe.
Die Autoren betonen, dass zukünftige Forschung den etablierten wissenschaftlichen Leitlinien für die Entwicklung und Validierung von Vorhersagemodellen folgen muss. Die Einbeziehung geriatrischer Variablen und die Verbesserung der statistischen Methodik sind wesentliche Schritte zur Entwicklung klinisch nutzbarer Instrumente.
Diese Arbeit stellt einen bedeutenden Beitrag zum Bereich der Modellierung dar, insbesondere indem sie die Diskrepanz zwischen aktuellen Forschungspraxen und den realen Bedürfnissen alternder Populationen aufzeigt.
Finanzierung und Kooperationen
Diese Forschung wurde im Rahmen des ATTRACT-Projekts ReDiCo (16731054) durchgeführt, finanziert durch den Luxembourg National Research Fund (FNR).